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Bäume schlagen und erstes Eierbacken

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

– Erster Arbeitseinsatz der Fahlerkerbegesellschaft 2017-

Am 8. April 2017 wurden im Laufenseldener Wald bei strahlendem Sonnenschein die Kerbebäume für die Fahlerkerb 2017 von den Kerbeburschen und vielen ehrenamtlichen Helfern traditionell weitestgehend ohne Motorenkraft geschlagen. An dieser Stelle ist den Forstwirten Michael Kaiser und Dirk Buderus zu danken, die der Kerbegesellschaft ebenfalls den ganzen Tag über zur Seite standen.
Nach dem Schlagen wurden die Bäume, die eine Höhe bis zu 25 Metern erreichen, grob geschält und aus dem Wald zu der Stelle geschafft, an der sie nun einige Monate zum Trocknen ausliegen. An schwierigen Stellen halfen Silas, Martin und Klaus Weldert und Robin Bender mit einer Holz-Rückemaschine.
Versorgt wurden die Kerbegesellschaft und ihre Helfer traditionell von den Kerbemädchen, die ein leckeres Mittagessen zubereiteten.
Erstes Eierbacken der Fahlerkerbegesellschaft 2017
Die Fahlerkerbegesellschaft 2017 veranstaltet ab
Dienstag den 9. Mai 2017 ab 19:00 Uhr
wieder regelmäßig dienstags das mittlerweile traditionelle Eierbacken im Vereinsraum der Bornbachhalle.
Die Kerbegesellschaft freut sich auf Ihren/Euren Besuch!

Quelle

Tip Fahlerkerb – Ein Privileg über 600 Jahre

von Gemeinde Heidenrod aus „Wir von der Aar“ Nr.17 | 22.Juni 2008

Schon Monate vorher geht eine Unruhe in den Herzen der Laufenseldener um. Ein Fahlerkerbejahr kündigt sich an. Nach altem Brauch, wie von den Vorvätern überliefert, gründet sich die Kerbegesellschaft, plant ihre Termine und meldet die Kerb bei der Gemeinde an, denn die Gemeinde ist eigentlicher Ausrichter der Fahlerkerb.

Die Fahlerkerbegesellschaft erklärt aber, die Abhaltung der Fahlerkerb zu übernehmen. Sie verpflichtet sich zur Einhaltung aller Bedingungen, die dem alten Brauch entsprechend von der Gemeinde und der Ortspolizeibehörde gestellt werden. Sie haftet ebenso für die Zahlung der Steuern und Gebühren und aller sonstiger Forderungen.

Vor der Fahlerkerb ist der Terminplan der Kerbeburschen und -mädchen, vor allem der des Kerbevadders, prall gefüllt, denn eine Veranstaltung in diesem Ausmaß erfordert große Vorbereitungen. So werden z.B. jeden Dienstag in der Bornbachhalle Eier ausgeblasen und den Laufenseldenern serviert, damit der riesige Eierkranz, der in der Bornbachhalle aufgehängt wird, auch wirklich gut bestückt ist. Bis zu 15.000 ausgeblasene Eier werden dazu benötigt.

Es werden 12 stattliche Kerbebäume traditionell ohne Motorenkraft geschlagen, grob geschält und ebenfalls per Muskelkraft aus dem Wald getragen. Sie werden einige Monate zum Trocknen ausgelegt, bevor sie mit einer Höhe von 20-25 Metern aufgestellt werden und über den Dächern von Laufenselden die Fahlerkerb ankündigen.

Nur alle drei Jahre findet sie statt, dafür aber schon seit über 600 Jahren. Sie ist damit eines der traditionsreichsten Volksfeste. N icht nur im „Nassauer Land“, sondern in ganz Hessen. Und dieses Jahr ist es wieder soweit:

Am Samstag, 9.August gibt es von 16 Uhr an Freibier am Feuerwehrgerätehaus, um 17 Uhr einen Umzug.

Am Sonntag, 10.August startet der Umzug dann um 13 Uhr in Richtung Rettert.

Denn auf dem dortigen Kerbeplatz, dem „Fahler“ wird nach altem Recht die Laufenseldener Kerb gefeiert. Vorher muss der Fahlerplatz von den Offiziellen dreimal umschritten werden.

Der Rückmarsch ist für 17 Uhr angesetzt, denn der Kerbeplatz in Rettert muss vor Sonneuntergang verlassen sein.

Die Geschichte der Fahlerkerb ist untrennbar mit der Geschichte verbunden, denn im 12. Jahrhundert gehörten die Nachbarorte Laufenselden und Rettert zur sogenannten Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Rettert war in „Bannzäunen“ jedoch nassauisch und seine Feldgemarkung ringsumher später „vierherrische“, und damit auch hessisch.

Die Laufenseldener erwarben sich das Recht, alle drei Jahre, im Wechsel mit den anderen mithelfenden Gemeinden, durch die Mithilfe beim Bau der Retterter Kirche Kerb zu feiern. Bedingung: All drei Jahre muss Fahlerkerb gefeiert werden. Die anderen Gemeinden haben ihr Recht verwirkt.

Nun einmal aussetzen, verwirkt dieses Privileg. Ein Privileg, das in Laufenselden über Jahrhunderte und trotz Unwill der Zeiten immer noch gehalten wurde, ein Recht auf das der Ort stolz ist!

Denn trotz Kriegen, Hunger und Besatzung gelang es den Laufenseldenern alle drei Jahre, vor den Nasen der Retterter ihre Fahlerkerb zu feiern. Ein schwieriges Unterfangen. Aus Berichten im dem Mittelalter wird immer wieder erwähnt, dass die Laufenseldener, die aus dem Hessischen kommen in dem nassauischen Dorf ihre Kerb feiern aber nicht innerhalb des Ortsberings, sondern auf den Äckern am „Fahler“ die ja „vierhessisch“ waren. Beim dreimaligen Umgang um den Kerbeplatz marschierte vor der Kerbegesellschaft der Schultheiß von Laufenselden mit seinen Lanzenträgern und den „Feldgerichtschöfen“.

Außerdem durften auf dem Platz nur Laufenseldener Schankwirte und Händler ihre Stände aufschlagen. Denen aus dem „Nassauischen“ war es verboten, an diesem Tag gar nur den Kerbeplatz zu betreten. Gefeiert wurde immer am Sonntag nach Laurentius.

Einen schriftlichen Vertrag, der all die Rechte und Pflichten zur Fahlerkerb festhält, gibt es nicht. Es existiert nur die mündliche Überlieferung. Allerdings gibt es Gerichtsurteile aus hessischer Zeit, vom Oberamt Rheinfels bei St. Goarshausen und vom Amt Miehlen, nach denen die Retterter gegen das Recht der Laufenseldener geklagt hatten und den Prozess auch prompt verloren.

Nur das Verbot für die Nassauischen, den Kerbeplatz zu betreten, wurde aufgehoben. Heute holt, der Bürgermeister aus Rettert mit seinen Kerbeburschen die „Laafeseller“ ab und begrüßt sie auf dem Fahlerplatz. Dafür sind im Dorf Tür und Tor geöffnet. Die Retterter Hausfrauen halten auch reichlich Kaffee und Kuchen bereit.

So trotzen die Laufenseldener allen Stürmen der Zeit und feiern auch in diesem Jahr wieder ihre Fahlerkerb. Die Jugend, die sich wieder auf den Weg von Hessen ins Rheinland-Pfälzische macht, legt damit den Grundstein für den Fortbestand der Fahlerkerb im 21. Jahrhundert. Eine Aussicht, die die Kirchenbauer vor über 600 Jahren sicherlich staunen ließe.

(Programm zur Fahlerkerb hier zu finden)