Archiv der Kategorie: Historisches

Die Geschichte der Fahlerkerb.

Hut & Tuch

Am Ende jeder Fahlerkerb werden sowohl der Kerbehut als auch das Kerbetuch an Personen verliehen, die sich rund um die Fahlerkerb sehr engagiert haben.

Hier die Kerbetuchträgerin Martina Feulner und der Kerbehutträger Claus Lampert des Jahres 2008:

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Die Träger der letzten Jahre findet Ihr auf dieser Seite.

 

Jahr Kerbehutträger Kerbetuchträgerin
2011 Joachim Puff Heike Freudenreich
2008 Claus Lampert Martina Feulner
2005 Karl Heinz Gilbert Gudrun Straßburger
2002 Norbert Klöppel Wilma Weldert
1999 Horst Schreiber Nadja Rausch
1996 Willi Micheel Hannelore Schreiber
1993 Manfred Jakob Hanny Debus
1990 August Schäfer Inge Hestermann
1987 Karl Horst Ginster Eva Micheel
1984 Günter Gemmer Gisela Weber
1981 Hans Wilhelm Weber Monika Jakob
1978 Dieter Rausch Ilona Henrich
1975 Peter Henrich Birigit Engelhard
1972 Willi Gilbert Gisela Rausch
1969 Peter Engelhard Elfi Litzius
1966 Siegfried Eikelmann Frieda Assmacher
1963 Kölner Onkel Margot Weldert
1960 Emil Assmacher Hild Gies
1957 Dr. aus Katzenelnbogen
1954 Hans Blum Anneliese Henrich
1951 Arthur Diefenbach

Kerbevädder

Hier findet Ihr die Kerbevädder und deren Fahnenträger der letzten Jahre.

2011

Matthias Jakob

Norman Hützen

2008

Sven Thiele

Matthias Jakob

2005

Sven Thiele

Matthias Jakob

2002

Marc Henrich

Thomas Rock

1999

Walter Straßburger

Manfred Schöttner

1996

Walter Straßburger

Manfred Schöttner

1993

Horst Schreiber

Thomas Rock

1990

Arno Straßburger

Torsten Litzius

1987

Horst Schreiber

Torsten Litzius

1984

Horst Schreiber

Manfred Scheid

1981

Horst Bender

Manfred Scheid

1978

Norbert Klöppel

Horst Bender

1975

Hubert Litzius

Kurt Bender

1972

Hubert Litzius

Norbert Klöppel

1969

Willi Gilbert

Bernd Bernhard

1966

Willi Gilbert

Karl Heinz Gilbert

1963

Willi Gilbert

Karl Horst Ginster

1960

Willi Gilbert

Winfried Weiß

1957

Ernst Schreiber

Christian Scheid

1954

Fritz Bodenheimer

Horst Blass / Ernst Bender

1951

Franz Haas

Ernst Schreiber

1948

Wilhelm Henrich

Wilhelm Dönges

Geschichte der Fahlerkerb

Seit Jahrhunderten feiern Generationen von Laufenseldenern nach ungeschriebenen Gesetzen alle 3 Jahre im August ein einzigartiges Volksfest, nicht nur in ihrem Hei-matort, sondern am Sonntag nach Laurentius in der Nachbargemeinde Rettert, die Fahlerkerb. 
Wenn auch der Ursprung geschichtlich im Dunkeln liegt, die Fahlerkerb in Lau-fenselden wird auch 2008 wieder gefeiert. Seit Menschengedenken haben sie nicht ein einziges Mal diesen Termin versäumt. Das bestätigen alte Gerichtsurkunden, wenn Widersacher versuchten, diesen uralten Brauch auf dem Fahlerplatz in Rettert von Amts wegen abzuschaffen. Es ist mehr als ein Gewohnheitsrecht und kann nicht zufällig entstanden sein, wenn es trotz massiver Beschwerden den Laufenseldenern durch Gerichtsurteile zugesichert wurde. Deshalb halten die Laufenseldener auch an der von den Vorfahren überlieferten Erklärung fest, dass der Ursprung der Kerb auf der Mithilfe beim Kirchenbau in Rettert herrührt. Dabei kann es sich nicht um die heu-tige Kirche, sondern muss sich um die Vorläuferin handeln. Schließlich wurde vor über dreihundert Jahren bereits von einem uralten Recht gesprochen, dass Laufenselden, Roth und Tiefenbach im jährlichen Wechsel als Dank für ihre Nachbar-schaftshilfe vor den „Bannzäunen“ in Rettert nach dem Sonntag Laurentius ihre Kerb halten durften. Es ist die einzig vernünftige Erklärung dafür, dass sich ein ganzes Dorf auf den Weg macht, um in einem Nachbarort den Auftakt seiner Kerb zu feiern. Da ist alles auf den Beinen. Laufenseldener, die es in die Fremde verschlagen hat, kommen in die Heimat zurück, um die Kerb zu feiern. Kerbebäume, die die Hausdächer weit überragen, grüßen die ankommenden Gäste.
Vor dem Marsch nach Rettert holt die Kerbegesellschaft mit Musik und Fahne-schwenken den Bürgermeister, die Vertreter der Gemeindegremien und die Ehren-gäste vom Rathaus ab. Hunderte schließen sich an und bilden einen langen, unübersehbaren Zug über den Holzhäuser Weg zum Kerbeweg Richtung Rother Hof, von dort nach Rettert zum Fahlerplatz, der dreimal umschritten werden muss. Selbst in Kriegs- und Notzeiten wurden diese Regeln eingehalten, ja, man hat sie als Bedingung dafür angesehen, dass die Fahlerkerb unanfechtbar ist. Manche Gebräuche, die erst im Laufe der Jahre entstanden sind, werden bis zum heutigen Tag strikt eingehalten. So wird beim dreimaligen Gang um den Platz in Rettert kein Zentimeter Boden verschenkt.
Nach alten Berichten haben die Feldgerichtsschöffen den Zug angeführt, die bei Grenzbegehungen peinlich darauf achteten, dass der Grenzverlauf genau ein-gehalten wurde. Trotzdem kann der Ursprung der Fahlerkerb nicht auf eine Grenzbegehung zurückgeführt werden. Im Gegenteil, die Gemarkungsgrenze wird auf dem Retterter Weg überquert und sonst nirgends berührt. So ist das dreimalige Umschreiten des Fahlerplatzes die Demonstration des Rechts der Laufenseldener, hier feiern zu dürfen, wenn auch nur für einige Stunden, bis der Platz vor Sonnenuntergang wieder verlassen sein muss.
Auch der Tanz des Kerbevadders mit der Hoffrau auf dem Rother Hof gehört zu den Regeln, die eingehalten werden. Zu den Besonderheiten gehört auch das Kerbetuch, das an einer Stange befestigt vom Kerbevadder wie eine Fahne geschwenkt wird, und sein schön geschmückter Hut, die nach Abschluss der Kerb als Ehrung guten Gästen überreicht werden. Die mit Bändern geschmückten Spieße weisen auf die Zeit hin, wo es noch keine Feuerwaffen gab, dagegen waren die von den Kerbe-burschen mitgeführten Gewehre zum Marktschutz und um Störer abzuschrecken da. Heute werden sie zum Salutschießen bei den sonntäglichen Umzügen an jedem Ker-bebaum gebraucht.
Nach der Rückkehr aus Rettert wird bis zum frühen Morgen das Tanzbein ge-schwungen. Zwischendurch gibt es Umzüge durch den Saal über den Tanzboden, Kerbetuch und Kerbefahne werden geschwenkt und alle singen das Fahlerkerbelied und weitere Kerbekompositionen. Nachdem der Kehraus gespielt ist, machen sich die, die am längsten ausgehalten haben, mit einem musikalischen Umzug durch das Dorf auf den Heimweg. Das ist eine so alte Tradition, dass kein Richter die Begleitumstände als Ruhestörung bezeichnen würde.
Mehrmals während der Kerb zieht die Kerbegesellschaft mit Musik an den schön geschmückten Häusern vorbei durch den Ort. An jedem Kerbebaum gibt es an den Montagsumzügen einen kurzen Halt für ein Tänzchen. „Groß und Klaa schließt sich aa…“, wie es im Lied heißt.
Am zweiten Kerbesonntag führt der Zug mit Musik, Kerbegesellschaft, Offiziellen und einer riesigen Menschenschar von Kerbegästen über den Schmiedweg zum Tanzplatz im Wald nahe der „Alten Limburger Straße“, die schon in der Bronzezeit bestand. Bemerkenswert ist, dass sowohl in Rettert auf dem Fahler, als auch hier im Wald unter freiem Himmel gefeiert wird.
Weitere Symbole der Fahlerkerb sind die mächtige Eierkrone in der Bornbachhalle und die Kränze an den Kerbebäumen aus Tausenden von ausgeblasenen Eiern. Bei der Beerdigung der Kerb wird die Krone unter Wehklagen im Bachkanal versenkt.
Eine ausführliche Beschreibung der Kerb würde ein ganzes Buch füllen. Diese Kurzfassung soll dazu beitragen, die Fahlerkerb und ihre Geschichte lebendig zu halten, heute und für alle Zeiten.
Friedrich Schmidt